Bringen Sie den Reitstadel zum Klingen

Nah | Saal
Schlagzeug
Trompete
Schlagzeug & Trompete

Bild: BR-Studio Franken/Henry Lai

Ein Kleinod der Konzertsaallandschaft

Für Ernst-Herbert Pfleiderer, den Vorsitzenden der Neumarkter Konzertfreunde, ist der Reitstadel einer der besten Kammermusik-Säle Europas. Klein, kompakt – und mit einer wunderbaren Akustik gesegnet. Dies liege an der Architektur und den verbauten Materialien. Eichenparkett, massive Eichenholztore und eine Decke, die sich wie Segel faltet. Dazu kommt ein Akustikvorhang auf der Bühne. Pfleiderer ließ ihn vor einem Konzert des Schlagzeugers Martin Grubinger anbringen, da er fürchtete, dass der Saal auseinander fliegen und die Abonnenten ihn nach dem Konzert steinigen könnten.

Lagerraum, Reithalle – und schließlich Konzertsaal

Der heutige Reitstadel wurde 1520 erbaut und diente jahrhundertelang als Lagerhaus für Futtermittel und Waffen. Erst 1850 wurde das Gebäude Reitstadel genannt – als Rekruten darin im Reiten ausgebildet wurden. Im April 1945 wurde der Reitstadel dann bis auf seine Grundmauern zerstört und blieb 36 Jahre lang als Ruine mitten in Neumarkt stehen. 1981 wurde nach dem Wiederaufbau ein Kulturzentrum samt Konzertsaal neu eröffnet.

Internationale Labels und internationale Meistersinger

2001 wurde der Reitstadel um einen modernen Glasanbau erweitert, der hauptsächlich Künstlergarderoben beherbergt. Dazu kamen ein neuer Aufzug und später eine neue Lüftung. Heute genießt der Reitstadel einen internationalen Ruf als intimer Konzertsaal – mit einer hervorragenden Akustik. Die Konzertbesucher kommen teilweise aus ganz Deutschland. Internationale Labels spielen gerne ihre CDs im Reitstadel ein, und jedes Jahr im Sommer bildet die "Internationale Meistersinger Akademie" hier etliche junge, professionelle Sänger aus der ganzen Welt aus.

Steckbrief

  • Der Reitstadel in Neumarkt bietet 455 Sitzplätze, davon 312 Sitzplätze im Saal, plus drei Rollstuhlplätze und 143 Sitzplätze auf der Galerie.
  • Die Bühne ist 80 Quadratmeter groß.
  • Im angrenzenden Glasneubau stehen fünf Künstlergarderoben zur Verfügung, in die Tiefgarage passen 140 Autos.
  • Abriss oder Wiederaufbau? Jahrelang stand der Reitstadel verfallen und als Ruine mitten in Neumarkt. Viele Stadträte wünschten sich an dieser Stelle einen Mehrzweckraum, ein Kaufhaus oder ein Parkhaus. Ab 1978 wurde der Reitstadel aber wieder aufgebaut – der Oberbürgermeister hatte sich durchgesetzt.
  • 4,1 Millionen Euro kostete der Wiederaufbau, 1981 wurde das Kulturzentrum mit seinen Ausstellungsräumen (350 Quadratmeter Foyer) und seinem Konzertsaal eröffnet.
  • Der Reitstadel beherbergt an rund 150 Tagen im Jahr Ausstellungen. An circa 60 Tagen im Jahr werden im Konzertsaal CDs produziert.

Das sagt BR-Tonmeister und Produzent Thilo Grahmann:

Erst neulich titulierte ein Musiker, als er seine Zugabe ankündigte, den Neumarkter Reitstadel als "Glücksfall" und "Kleinod der Konzertsaallandschaft". Obwohl die Bühne eher als Guckkasten anmutet, in den der Zuschauer von unten hineinschaut, hat es der Funke leicht, von den Künstlern und Musikern auf das Publikum überzuspringen. Im Reitstadel entsteht bei Konzerten eine im ganzen Raum fast einheitliche Klangatmosphäre. Mit Publikum sind Nachhall und Reflektionen für Solisten, Kammerensembles und kleine Kammerorchester sehr wohltuend, die Musiker können gut darauf reagieren und damit spielen. Im leeren Zustand aber ist das, was der Raum antwortet, mitunter etwas groß und überbetont – und kann leer und kalt wirken. Durch seine intime Größe ist der Saal weniger für mittlere oder große Besetzungen geeignet. Nicht nur ich nutze diesen Raum sehr gerne für CD-Produktionen – aufgrund seiner authentischen Art und wegen seines ruhigen, die Konzentration fördernden Umfeldes.


Statements und Einblicke