Bringen Sie den Joseph-Keilberth-Saal zum Klingen

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Schlagzeug
Trompete
Schlagzeug & Trompete

Bild: BR-Studio Franken/Henry Lai

"Bayerns bester Konzertsaal"

Die Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie sind ein "Juwel unter den europäischen Orchestern", lobt Jakub Hrůša, der neuer Chefdirigent ist. Bamberg mag nur etwas mehr als 70.000 Einwohner haben – sein Klangkörper gehört zur Spitzenklasse der deutschen Orchester.

Fast immer ausverkauft

Das Bamberger Publikum weiß das zu schätzen: Die Konzerte sind fast immer ausverkauft. 1993 verdoppelte sich die Besucherzahl sogar – in diesem Jahr wurde die Sinfonie an der Regnitz eröffnet und die Symphoniker bekamen einen anständigen Konzertsaal. Es ist "Bayerns bester Konzertsaal", wie die Symphoniker auf ihrer Internetseite schreiben. Benannt wurde er nach Joseph Keilberth, der in den Gründungsjahren das Orchester aufbaute und 1950 offiziell Chef der Bamberger Symphoniker wurde.

Star-Akustiker verbessert den Klang

Der Joseph-Keilberth-Saal wurde nicht nur für klassische Konzerte gebaut. Die Akustik war damit nicht die oberste Priorität – und die Bamberger Symphoniker klagten über einen oft recht kühlen und blechlastigen Klang. Bis die Konzerthalle 2008 und 2009 renoviert und auch die Akustik rundum erneuert wurde – von dem weltweit gefragten Klangdesigner Yasuhisa Toyota, der auch für die Akustik der neunen Elbphilharmonie in Hamburg verantwortlich zeichnet. Der Japaner ließ das Podium durchlöchern, die Podeste unter den Musikern erhöhen und die Bühne so zu einem Halbkreis formen. Außerdem verschwand der Holzlack der Bühne, da er den Schall schluckte.

Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen: Die Streicher haben nun sozusagen eine akustische Rückwand, Holz- und Blechbläser stören sich nicht mehr gegenseitig und die Musiker hören sich untereinander besser. Auch das Publikum profitiert: Der Klang, der bei den Zuhörern ankommt, ist deutlich ausgewogener.

Steckbrief

  • Das Orchester in Bamberg wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Flüchtlingen aus Prag gegründet.
  • Im Juli 2003 wurden die Bamberger Symphoniker durch die Staatsregierung in den Rang eines Staatsorchesters erhoben.
  • 1993 wurde der Joseph-Keilberth-Saal eröffnet.
  • Die Bühne ist 250 Quadratmeter groß, die Konzerthalle bietet 1.406 Sitzplätze – und nach Absprache können weitere 40 Stehplätze verkauft werden.
  • Ein Hingucker ist die Konzertorgel des Orgelbaumeisters Georg Jann. Mit 4 Manualen, 74 Registern und 5.830 Pfeifen gehört sie zu den imposanten Konzertorgeln Europas.
  • In der Konzerthalle wird der Mahler-Dirigentenwettbewerb ausgerichtet – und Chefdirigent Jonathan Nott erhielt für seine Einspielung von Mahlers Neunter renommierte Preise.

Das sagt BR-Tonmeister und Produzent Thilo Grahmann:

Die Akustik im Joseph-Keilberth-Saal lässt sich mit Jalousien dahingehend manipulieren, dass der Saal ohne Publikum ähnliche Eigenschaften aufzeigt, wie mit Publikum. Das ist bei Musikproduktionen sehr hilfreich. Manchmal scheint allerdings die Ausgewogenheit des Klanges sehr von der Position abzuhängen, an der sich der Musiker oder auch Zuhörer gerade befindet. An manchen Stellen hat derselbe Klanggeber ganz andere Auswirkung auf den Raum. Ein Beispiel: Befinden sich die Pauken in der Mitte des Orchesters, klingen sie deutlich muffiger als außen. Ein Phänomen, das bei sogenannten stehenden Wellen oder zumindest Wellenüberlagerungen auftreten kann.


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